Stand: 13. Oktober 2026

Diese Seite fasst zusammen, was öffentlich über das Rittergut bekannt ist. Die Nummern verweisen auf die Quellen am Ende. Wer Erinnerungen, alte Fotos oder Postkarten vom Gut hat, kann sich gern beim Bürgerverein melden.

Nachtrag vom 12.10.2026: Am Lober – Antwort der Gemeinde

Wir haben die Gemeinde Krostitz am 9. Oktober 2026 zu drei Punkten an der Straße Am Lober gefragt. Bürgermeister Oliver Kläring hat am 12. Oktober 2026 schriftlich geantwortet:[12]

  • Ehemaliger Firmensitz der TAF Service-Bau GmbH: Der Gemeinde liegen weder eine Bauvoranfrage noch ein Bauantrag oder ein Antrag auf Nutzungsänderung vor. Einen Beschluss des Gemeinderats oder Ortschaftsrats gibt es daher nicht. Ein Eigentümerwechsel ist der Gemeinde nicht bekannt. Nach Auskunft der Gemeinde prüft der Eigentümer eine Nutzungsänderung.
  • Rittergut: Planungen zu Sanierung, Nutzung oder Verkauf sind der Gemeinde nicht bekannt.
  • Straße Am Lober: Für 2028 ist eine Sanierung der Straßendecke vorgesehen, unter dem Vorbehalt, dass genug Geld zur Verfügung steht. Einen genaueren Zeitplan und einen Termin zur Information der Anwohner gibt es noch nicht.

Denkmalschutz: Auf unsere Nachfrage teilte die Gemeinde am 13. Oktober 2026 mit, dass ihr dazu keine anderen Erkenntnisse vorliegen.[13] In der öffentlich zugänglichen Liste der Kulturdenkmale (Stand 2020) ist das Rittergut nicht verzeichnet.[7]

Quelle: Gemeinde Krostitz, schriftliche Antworten des Bürgermeisters vom 12. und 13.10.2026 an die Redaktion[12][13]

Die Anlage

Das alte Rittergut liegt an der Straße Am Lober. Es ist eine große, offene, regelmäßige Rechteckanlage. Das Herrenhaus steht frei und etwas zurückgesetzt. Es ist ein zweigeschossiger Bau mit rechteckigem Grundriss und Mansardwalmdach, ursprünglich barock, mit einem Anbau aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Putzfassade wurde nach 1945 stark verändert. Die Wirtschaftsgebäude sind zum Teil nach 1945 neu gebaut worden, aus Klinker, Putz und Betonfertigteilen. Wahrscheinlich gehörte früher auch ein Park dazu.[1]

Vom Lehngut zum Rittergut

Um 1580 bestand hier ein Mannlehngut, urkundlich belegt ist es 1608. Danach wechselten die Besitzer mehrfach:[2][1]

ZeitBesitz
ab 1604Herren von Maschwitz; 1618 wird das Gut freies Eigentum (Allodialgut)
1630Dr. Leopold Hackelmann
1638–1750Familie Moßbach; 1638 wird das Gut zum Rittergut
1750–1800Familien Mylius und von Wichmannshausen
1800–1803Carl Wilhelm von Carlowitz
1803–1873Familie Leplay; 1826 als „amtssässiges Rittergut“ geführt
1873 bis nach 1929Familie Baumgarten
bis 1945Karl Anders als letzter Besitzer

Zum Gut gehörte ein eigener Gutsbezirk. 1880 lebten dort 24 Menschen, 1895 waren es 29.[3] Akten zum „Gut Zschölkau“ aus den Jahren 1764 bis 1803 liegen heute im Landesarchiv Sachsen-Anhalt.[4] Abbildungen aus der Zeit vor 1945 sind selten, darunter eine Postkarte aus den frühen 1920er-Jahren.[5]

1945 wurde das Rittergut im Zuge der Bodenreform enteignet. Das Herrenhaus diente danach als Wohnhaus.[2][6] Mehr zur Geschichte des Ortes steht auf der Seite Geschichte von Zschölkau.

Das Rittergut heute

Die Wirtschaftsgebäude werden heute gewerblich genutzt. Nach öffentlichen Beschreibungen sind sie saniert bzw. in gutem Zustand. Das Herrenhaus dagegen steht seit Jahren leer und wurde 2015 als schadhaft beschrieben.[2][1] Das Gelände war damals zugänglich, das Herrenhaus konnte nicht besichtigt werden. Nach Beobachtung aus dem Ort ruhen die Arbeiten seit einigen Jahren; die Fassade wirkt saniert, innen ist das Gebäude aber in keinem guten Zustand (Hinweis aus dem Ort, Stand Oktober 2026). Fotos vom Zustand 2015 zeigt die Seite Architektur-Blicklicht.[1] Das Gut ist in Privatbesitz.[6]

Pläne für eine Sanierung oder einen Verkauf sind bisher nicht öffentlich bekannt. In Presse und Amtsblättern der letzten Jahre haben wir dazu nichts gefunden, ebenso kein Verkaufsangebot und keine öffentliche Förderung.

Kein eingetragenes Denkmal

In der Liste der Kulturdenkmale für Krostitz ist das Rittergut laut Liste von 2020 nicht verzeichnet. Für Zschölkau stehen dort nur zwei alte Lehmwellerhäuser an der Rackwitzer Straße. Die Liste ist allerdings nicht abschließend und kann sich seitdem geändert haben. Verbindlich Auskunft gibt die untere Denkmalschutzbehörde beim Landratsamt Nordsachsen.[7]

Das hat praktische Folgen: Zuschüsse der Denkmalförderung und die besonderen Steuerabschreibungen für Baudenkmale gibt es nur für eingetragene Kulturdenkmale.[8][9]

Die Straße Am Lober

Der „Masterplan Infrastruktur“ des Freistaats Sachsen für die Orte rund um den Flughafen Leipzig/Halle sieht vor, die Stichstraße Am Lober zu befestigen und dabei auch die Entwässerung zu erneuern. Genannt werden rund 100 Meter Gemeindestraße für etwa 130.000 Euro. Einen Zeitplan nennt der Bericht nicht.[10][11]

Stand Oktober 2026 (Hinweis aus dem Ort): Mit dem Ausbau wurde noch nicht begonnen. Den Anwohnern wurde von der Gemeinde gesagt, dass er geplant ist; einen Termin oder Zeitraum gibt es bisher nicht.

Noch offen

Zu folgenden Punkten haben wir bisher keine gesicherten Angaben (Stand 12. Oktober 2026):

  • wann das Herrenhaus gebaut wurde: Eine Quelle nennt einen barocken Bau mit Anbau aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, eine andere den Bau „um 1880“ und einen Anbau um 1910[1][6]
  • wie das Gut nach 1945 genutzt wurde, etwa durch Neubauern oder die LPG, und wer im Herrenhaus wohnte
  • wie es nach 1990 mit dem Gut weiterging
  • wann genau die für 2028 vorgesehene Sanierung der Straße Am Lober beginnt und ob die Finanzierung steht
  • ob das Rittergut heute in der amtlichen Denkmalkarte steht

Erinnerungen gesucht: Wer alte Fotos, Postkarten oder Geschichten vom Rittergut hat, etwa aus der Zeit, als im Herrenhaus noch Familien wohnten, kann sich gern beim Bürgerverein melden. Wir veröffentlichen nichts ohne Zustimmung.


📚 Quellen zu diesem Beitrag – gesammelt auf unserer Quellen-Seite.