Stand: 26. Oktober 2026
Diese Seite fasst zusammen, was öffentlich bekannt ist. Sie bewertet das Vorhaben nicht. Was nicht belegt ist, ist ausdrücklich als unbestätigt gekennzeichnet. Am 9. Oktober um eine Einordnung zur Sicherheitslage ergänzt, am 12. Oktober um einen Nachtrag zur Genehmigung der Halle, am 19. und 22. Oktober um Nachträge zum beschädigten Zaun am Flughafen, am 26. Oktober um neue Drohnen-Zahlen der Polizei und den ersten Kunden. Die Nummern verweisen auf die Quellen am Ende.
Nachtrag vom 26.10.2026: Drohnen-Regeln am Flughafen und erster Kunde für Covenant
Drohnen am Flughafen: neue Zahlen der Polizei. Die Polizeidirektion Leipzig hat 2026 bis zum 30. September 65 Drohnenflüge in Flughafennähe registriert, bei denen der Verdacht einer Ordnungswidrigkeit oder Straftat besteht oder bestand. Zehnmal wurden deshalb eine oder beide Start- und Landebahnen gesperrt. Mitgezählt ist der Fund der Drohne mit Sprengstoff am 4. August. (Unsere bisherige Angabe „bis Ende August sechsmal“ stammte von der Deutschen Flugsicherung und ist damit überholt.)
Rund um den Flughafen gilt eine gut 450 Quadratkilometer große Kontrollzone mit eigenen Regeln. Wer dort ohne Freigabe des Towers eine Drohne steigen lässt, riskiert ein Bußgeld bis 50.000 Euro; wird der Luftverkehr behindert, ist es eine Straftat. Ob und wie hoch man an einem bestimmten Ort fliegen darf, zeigt die Karte der Digitalen Plattform Unbemannte Luftfahrt (dipul) bis auf Straßenebene. Auch das Landratsamt Nordsachsen erinnert daran: Drohnen ab 250 Gramm oder mit Kamera müssen registriert sein, eine Haftpflichtversicherung ist immer Pflicht. Eine neue Rechtslage ist das nicht, es sind die bestehenden Regeln.
Erster Kunde für die Marschflugkörper: Das dänische Verteidigungsministerium hat am 22. Oktober mitgeteilt, dass Dänemark unter anderem den landgestützten Marschflugkörper „Anthem“ von Covenant beschafft. Stückzahl, Preis und Liefertermin nennt das Ministerium nicht. Ob die Flugkörper für Dänemark in Leipzig montiert werden, geht aus der Mitteilung nicht hervor; nach den bisherigen Angaben des Unternehmens soll die Montage für europäische Kunden 2027 in Leipzig beginnen.
Quellen: Polizeidirektion Leipzig, Medieninformation „Bis zu 50.000 Euro Strafe: Was Drohnenpiloten am Flughafen Leipzig/Halle beachten müssen!“, veröffentlicht von der Gemeinde Rackwitz am 21.10.2026 · Landkreis Nordsachsen, Pressemitteilung 22.10.2026: „Landratsamt weist auf Regeln für private Nutzung von Drohnen hin“ · Karte der Digitalen Plattform Unbemannte Luftfahrt (dipul) · Dänisches Verteidigungsministerium, 22.10.2026: „Dansk forsvar styrkes med to nye typer langtrækkende missiler“ (dänisch)
Nachtrag vom 22.10.2026: Zaun am Flughafen – Fahrer hat sich gemeldet
Zum beschädigten Zaun am Flughafen (siehe Nachtrag vom 19.10.2026 unten) gibt es neue Angaben der Polizei: Am Sonntagabend, 18. Oktober, haben sich zwei Männer (20 und 32 Jahre) mit ihren Anwälten bei der Staatsanwaltschaft Leipzig und beim Kriminaldauerdienst gemeldet. Der 20-Jährige ließ über seinen Anwalt erklären, er habe im Bereich des Flughafens die Kontrolle über das Auto verloren und den Zaun durchbrochen. Danach habe er die Unfallstelle verlassen, das Auto sei abgeschleppt worden. Der 32-Jährige gab an, Halter des Wagens zu sein.
Das Auto wurde inzwischen gefunden und beschlagnahmt. Ermittelt wird gegen den 20-Jährigen wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort und Fahrens ohne Fahrerlaubnis, gegen den 32-Jährigen, weil er ihm das Fahren überlassen haben könnte. Den genauen Ablauf und ein mögliches Motiv prüfen Polizei und Staatsanwaltschaft weiter. Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Sprengstoffdrohne vom August nennen die Behörden nicht. Auf den Flugverkehr hatte der Vorfall laut Flughafen keine Auswirkungen; Starts und Landungen liefen in der Zeit über die Südbahn.
Quellen: tagesschau.de / MDR SACHSEN, 19.10.2026: „Loch im Flughafenzaun Leipzig/Halle: Was über die Tatverdächtigen bekannt ist“ · BLICK, 19.10.2026, mit Wortlaut der Ergänzung der Polizeidirektion Leipzig vom 19.10.2026: „Nach Polizeieinsatz am Flughafen Leipzig/Halle: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Männer“
Nachtrag vom 19.10.2026: Beschädigter Zaun am Flughafen Leipzig/Halle
Am Samstagabend, 17. Oktober 2026, hat der Sicherheitsdienst des Flughafens Leipzig/Halle kurz vor 23 Uhr einen beschädigten Zaun entdeckt. Nach den bisherigen Ermittlungen hat ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Fahrzeug durchbrochen. Laut Bundespolizei fuhr es nur wenige Meter in den Sicherheitsbereich und verließ das Gelände wieder. Die Stelle liegt laut MDR nördlich der A 14 nahe Freiroda (Stadt Schkeuditz), an einer öffentlich zugänglichen Straße.
Bundespolizei und Polizeidirektion Leipzig haben das Gelände durchsucht, auch mit Hubschrauber und Drohne. Gefunden wurden weder unberechtigte Personen noch verdächtige Gegenstände, das Fahrzeug bisher ebenfalls nicht. Ob es ein Unfall oder eine Straftat war, ist offen; die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben in alle Richtungen. (Überholt, siehe Nachtrag vom 22.10.2026 oben.) Ein gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr lag nach bisherigen Erkenntnissen nicht vor (MDR).
Die Nordbahn war bis Sonntag gegen 14 Uhr gesperrt. Passagier- und Frachtverkehr liefen laut Flughafen und Bundespolizei über die Südbahn ohne Einschränkungen weiter. Ob der Vorfall mit der Sprengstoffdrohne vom August (siehe Abschnitt Ist die Gegend dadurch gefährdeter? weiter unten) zusammenhängt, ist unklar. Belege für einen Zusammenhang gibt es bisher nicht.
Außerdem: Die Online-Petition gegen die Ansiedlung, die im Abschnitt Wer was dazu sagt genannt ist, zeigte am 19. Oktober 2026 rund 10.400 Unterschriften.
Quellen: Polizeidirektion Leipzig, Medieninformation Nr. 362|26 vom 18.10.2026 · Polizeidirektion Leipzig, Ergänzungsmeldung Nr. 363|26 vom 18.10.2026 · MDR SACHSEN, 18.10.2026: „Erneuter Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle: Zaun nahe Antonow-Fliegern beschädigt“ · MDR, 18.10.2026: „Zaun-Durchbruch am Airport Leipzig/Halle: Nordbahn wieder offen“ · openPetition, Petition „Aus der Stadt der Friedlichen Revolution darf keine Stadt der Waffen werden!“ (abgerufen 19.10.2026)
Nachtrag vom 12.10.2026: Genehmigung der Halle weiter offen
In der Ratsversammlung am 30. September 2026 hat die Stadt Leipzig auf eine Anfrage aus dem Stadtrat geantwortet: Ein Bauantrag oder ein Antrag auf Nutzungsänderung für die Halle lag zu diesem Zeitpunkt nicht vor. Ob ein solcher Antrag nötig ist, hängt laut Stadtverwaltung davon ab, ob die Halle anders genutzt wird als bisher. Die Stadt geht davon aus, dass ein Bauantrag wahrscheinlich nötig sein wird. Fördergeld der Stadt ist nach ihren Angaben nicht geflossen, ein Grundstück hat das Unternehmen nach Kenntnis der Stadt nicht gekauft.
Nach Angaben der Stadt hat das Unternehmen schriftlich erklärt, die Produktion erst aufzunehmen, wenn alle nötigen Genehmigungen erteilt sind; die Einweihung am 5. Oktober habe damit nicht zusammengehangen. Das ergänzt die unterschiedlichen Angaben im Abschnitt Braucht die Halle eine Genehmigung? weiter unten, der unverändert bleibt.
Laut dem Bericht über die Sitzung hat das Unternehmen außerdem bestätigt, dass in der Halle kein Sprengstoff verwendet und auch keiner auf dem Außengelände gelagert wird. Unabhängig überprüfen lässt sich das bisher nicht. Ob und wann ein Antrag gestellt wird, ist weiter offen (siehe „Noch offen“ am Ende der Seite).
Quellen: Leipziger Zeitung (LZ), 10.10.2026: „Der Stadtrat tagte: Braucht Covenant für seine Marschflugkörper-Produktion im Leipziger Norden gar keine Baugenehmigung?“ · TAG24, 02.10.2026: „Covenant plant Raketenfabrik in Leipzig – Einweihung ohne Grundstücksdeal“
Worum es geht
Im Dorf ist zu hören, in der Gegend um Schkeuditz und den Flughafen werde eine „Raketenfabrik“ gebaut. Wir haben nachgesehen, was daran stimmt.
Kurz gesagt
- Stimmt im Kern: Das US-Rüstungsunternehmen Covenant will ab Anfang 2027 im Leipziger Norden Marschflugkörper vom Typ „Anthem“ montieren. Die Halle wurde am 5. Oktober 2026 eröffnet.[1][2]
- Nicht in Schkeuditz: Die Halle liegt nach Angaben der Stadt Leipzig auf Leipziger Stadtgebiet, laut Presse in einem Gewerbegebiet am BMW-Werk.[3][4]
- Kein Neubau: Covenant hat eine bestehende Halle mit gut 10.000 m² angemietet.[2][5]
- Rüstung, keine Raumfahrt: Es geht um Waffen, nicht um Raketen für Satelliten. Sprengstoff soll nach Angaben des Unternehmens nicht in Leipzig verarbeitet werden.[6]
- Sicherheit: Behörden warnen allgemein vor Spionage und Sabotage gegen Rüstungsfirmen und Infrastruktur. Eine nüchterne Einordnung steht im Abschnitt Ist die Gegend dadurch gefährdeter?
Was geplant ist
Covenant wurde 2024 gegründet, hat seinen Hauptsitz in Washington und Standorte in den USA und in Israel. Die deutsche Gesellschaft ist die Covenant Industries GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main.[2][7] Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen mehr als 250 Millionen US-Dollar Kapital eingeworben.[8]
Für Leipzig nennen Unternehmen und Presse diese Eckdaten:
| Punkt | Angabe | Wer sagt das |
|---|---|---|
| Produkt | Marschflugkörper „Anthem“, vom Boden aus gestartet | Covenant[8][7] |
| Beginn | Serienfertigung im 1. Quartal 2027 | Covenant[8][1] |
| Stückzahl | 2027 etwa 1.000, ab 2028 bis zu 5.000 pro Jahr | Covenant[1][2] |
| Fläche | gut 10.000 m² Halle, Gelände rund 1 Hektar, angemietet | Covenant, Stadt Leipzig[9][2] |
| Investition | 250 Millionen Euro | Covenant[2][1] |
| Arbeitsplätze | zum Start etwa 50, später „mehrere hundert“; andere Angaben: 60–70 bzw. bis zu 250 | Covenant, Branchenverband, dpa[2][6][5] |
| Sprengstoff | kein Einbau in Leipzig, erst beim Kunden | Covenant[6][4] |
| Kunden | ein europäischer Erstkunde (nicht genannt), weitere in Verhandlung | Covenant[8][1] |
Eine offizielle Reichweite nennt Covenant nicht. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf ungenannte Quellen von mehr als 1.500 Kilometern, der MDR schrieb später von mehr als 1.000 Kilometern.[10][9][2]
Rakete, Marschflugkörper, Raumfahrt – was ist was?
„Raketenfabrik“ ist ein Schlagwort, das vor allem Kritiker des Vorhabens verwenden, etwa ein Bündnis, das im September in Leipzig zu einer Demonstration aufrief.[11] Technisch ist „Anthem“ ein Marschflugkörper: Er wird mit einem Feststoff-Startmotor vom Boden gestartet und fliegt dann mit einem Strahltriebwerk, ähnlich einem kleinen unbemannten Flugzeug.[7][5] Er gehört zur Rüstungsproduktion.
Mit Raumfahrt, also Trägerraketen für Satelliten, hat das Vorhaben nichts zu tun. Für eine Fabrik für Raumfahrtraketen in Nordsachsen oder Leipzig haben wir keine Quelle gefunden.
Wo genau – und wie weit ist das von Zschölkau?
Den genauen Standort hält Covenant aus Sicherheitsgründen geheim. Die Presse wurde bei der Eröffnung gebeten, nur „im Leipziger Norden“ zu schreiben.[2] Der Oberbürgermeister sagte im Stadtrat, das Vorhaben liege auf dem Gebiet der Stadt Leipzig.[3] Nach Presseberichten handelt es sich um eine frühere Lagerhalle im Industriepark Leipzig-Nord, einem Gewerbegebiet, dessen Zentrum das BMW-Werk ist.[4] Auch wir nennen keine genauere Adresse.
Entfernung: Das BMW-Werk liegt von Zschölkau aus rund 4 bis 5 Kilometer Luftlinie Richtung Süden bis Südosten. Weil der genaue Standort der Halle nicht bekannt ist, ist das nur ein Richtwert. Zum Vergleich: Bis zum Flughafen-Terminal sind es rund 13 km, bis zur Innenstadt von Schkeuditz rund 14 km.[12]
Wie es bekannt wurde
| Datum | Was passiert ist |
|---|---|
| seit Nov. 2025 | Ein „Unternehmen der Sicherheitsindustrie“ sucht anonym eine Halle in der Region Leipzig. Das sagte der Oberbürgermeister später im Stadtrat.[3] |
| Mai 2026 | Standortentscheidung für Leipzig (Angabe des Unternehmens: „vor fünf Monaten“).[2][1] |
| 28.08.2026 | Reuters berichtet unter Berufung auf ungenannte Quellen von Plänen für eine Flugkörperfertigung nahe Leipzig. Covenant und Verteidigungsministerium äußern sich nicht.[10] |
| 02.09.2026 | Der Oberbürgermeister bestätigt im Stadtrat Kontakte, aber keine offizielle Bewerbung. Gerüchte über Verhandlungen zu einer Fläche an der Radefelder Allee nennt er „Fehlmeldungen“.[3][13] |
| 09.09.2026 | Covenant macht seine Pläne öffentlich: eine rund 1 Hektar große Anlage in Sachsen, Serienfertigung ab 2027.[8] |
| 10.09.2026 | Die Stadt Leipzig bestätigt die Anmietung eines Grundstücks im Norden der Stadt.[9] Im Stadtrat wird ein Antrag eingereicht, Rüstungsansiedlungen in Leipzig möglichst zu verhindern.[14] |
| 11.09.2026 | Das Bundesverteidigungsministerium bestätigt laut Fachpresse Gespräche mit Covenant, ohne Einzelheiten.[7] |
| 05.10.2026 | Eröffnung der Halle im Beisein von Sachsens Ministerpräsident und eines Staatssekretärs des Bundeswirtschaftsministeriums.[1][4] |
Wer was dazu sagt
Wir geben die Positionen wieder, ohne sie zu bewerten.
- Freistaat Sachsen und Stadt Leipzig begrüßen die Ansiedlung und verweisen auf Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und die industrielle Basis.[6][9]
- Bund: Das Verteidigungsministerium führt Gespräche mit Covenant. Ob die Bundeswehr „Anthem“ kauft, ist nicht bekannt.[7][2]
- Kritik: Mehrere Parteien, darunter Linke, BSW, AfD und Freie Sachsen, sowie Friedensinitiativen lehnen die Ansiedlung ab. Eine Online-Petition hatte bis Anfang Oktober rund 7.000 Unterschriften (neuerer Stand: siehe Nachtrag vom 19.10.2026 oben).[2][11] Die Linke im Stadtrat fordert Akteneinsicht und will die Ansiedlung verhindern.[14][15]
Braucht die Halle eine Genehmigung?
Dazu gibt es unterschiedliche Angaben. Laut dpa und TAG24 müssen die Behörden die Umwidmung der Lager- in eine Fertigungshalle noch genehmigen.[5][4] Laut MDR ist bei der Stadt bisher kein Antrag eingegangen, und in der angemieteten Industriehalle wäre Montage ohne besondere Genehmigung möglich.[2] Der Oberbürgermeister hatte schon im September gesagt, die Nutzung sei möglicherweise gar nicht genehmigungspflichtig.[3] Zuständig wäre die Stadt Leipzig.
Was sonst am Flughafen und in der Gegend entsteht
- Flugzeugbau, zivil: Am 29. September 2026 hat Deutsche Aircraft am Flughafen Leipzig/Halle eine Endmontagelinie für das Regionalflugzeug D328eco mit 40 Sitzen eröffnet. Geplant sind bis zu 48 Flugzeuge im Jahr und rund 250 Arbeitsplätze.[16] Das ist keine Rüstungsfabrik.
- Wiedemar: Das geplante Industriegebiet mit bis zu 400 Hektar bei Wiedemar wurde 2024 per Bürgerentscheid gestoppt. Gedacht war es für Auto-, Halbleiter-, Pharma- oder Chemiefirmen, nicht für Rüstung.[17]
Ist die Gegend dadurch gefährdeter? Eine nüchterne Einordnung
Im Dorf wird gefragt, ob die Halle die Gegend zu einem Ziel für Russland macht. Darauf kann niemand eine sichere Antwort geben. Wir trennen deshalb zwei Dinge: was Behörden heute tatsächlich beobachten, und was nur für einen Krieg gelten würde, den es nicht gibt. Über mögliche Ziele oder Szenarien spekulieren wir bewusst nicht.
Kurz gesagt
- Heute belegt: Die Sicherheitsbehörden sehen eine erhöhte Gefahr durch sogenannte hybride Aktionen wie Spionage, Sabotage, Drohnen und Cyberangriffe. Das betrifft Rüstungsfirmen, aber genauso Logistik, Flughäfen und andere wichtige Infrastruktur.[18][19]
- Militärischer Angriff: Deutschland ist nicht im Krieg. Was in einem Krieg Ziel wäre, ist hypothetisch. Ein Fachjournalist meint, eine einzelne Fabrik mache dabei „keinen so großen Unterschied“.[20]
- Für Anwohner: Behördliche Hinweise, die sich speziell an die Nachbarschaft der Halle richten, haben wir nicht gefunden. Sinnvoll sind die allgemeinen Tipps am Ende dieses Abschnitts.
Was Behörden heute beobachten
Nach Angaben des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) sind die Gefahren durch russische Spionage, Sabotage und Desinformation seit 2022 stark gestiegen. Seit 2023 sieht sich Deutschland auch mit Sabotage durch fremde Geheimdienste konfrontiert. Solche Aktionen sollen nicht nur Schaden anrichten, sondern auch „Unsicherheiten schüren, Angst verbreiten“.[18] Das BfV schreibt außerdem, Russland wolle von einer „aufgeregten öffentlichen Debatte“ profitieren.[21] Auch deshalb bleiben wir hier bei belegten Fakten.
Der sächsische Verfassungsschutz schreibt, Deutschland sei eine „logistische Drehscheibe der NATO“. Deshalb gerieten militärische Liegenschaften sowie Logistik- und Rüstungsunternehmen verstärkt in den Blick russischer Geheimdienste.[19] Sachsens Innenminister sieht vor allem Logistik und Chiptechnologie im Visier von Cyberangriffen.[22]
Für Firmen der Rüstungsbranche schätzt das BfV die Gefährdung im Juli 2026 als „weiterhin hoch“ ein. Es hält Ausspähung und Sabotage für wahrscheinlicher geworden, vor allem bei Firmen, die mit der Ukraine zusammenarbeiten. Dafür würden oft sogenannte Low-Level-Agenten eingesetzt: ungeschulte Gelegenheitstäter, die über Messenger für einzelne Aufträge angeworben werden. Als mögliche Täter gegen Rüstungsfirmen nennt das BfV zudem Extremisten.[23]
Das Bundeskriminalamt (BKA) hat 2025 mehr als 1.000 verdächtige Drohnenflüge erfasst, vor allem über militärischen Einrichtungen, Flughäfen, Rüstungsfirmen und Häfen. Ob immer Russland dahintersteckt, „wissen wir nicht mit hundertprozentiger Sicherheit“, sagte der BKA-Präsident.[24]
Bekannte Fälle
| Wann | Was | Wie gesichert |
|---|---|---|
| Frühjahr 2024 | Rheinmetall: Laut dem US-Sender CNN haben US-Geheimdienste russische Pläne zur Ermordung des Rheinmetall-Chefs aufgedeckt und Deutschland gewarnt.[25] | Medienbericht. Ein deutscher Regierungsbeamter bestätigte CNN die Warnung, die Bundesregierung äußerte sich offiziell nicht dazu. |
| Juli 2024 | DHL-Frachtzentrum Leipzig: Ein Paket mit Brandsatz fing am Boden Feuer. Der damalige Verfassungsschutz-Präsident sagte, im Flug hätte es zu einem Absturz kommen können. Die Bundesanwaltschaft ermittelt.[26][27] | Ermittlungen bestätigt. Laut Recherchen von NDR, WDR und SZ vermuten europäische Behörden den russischen Militärgeheimdienst dahinter. |
| August 2026 | Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle (siehe unten) | Bundesregierung macht Russland verantwortlich, Russland bestreitet das. |
Die Drohnen am Flughafen Leipzig/Halle im August 2026
Am späten Abend des 4. August 2026 entdeckte ein Flughafenmitarbeiter im Sicherheitsbereich des Frachtbetriebs nahe der Südpiste eine Drohne mit Sprengvorrichtung. In der Nähe standen ukrainische Frachtflugzeuge. Spezialisten der Bundespolizei entfernten den Zünder.[28][29] Nach Angaben des Landeskriminalamts bestand keine Gefahr für Passagiere und Beschäftigte.[30]
- Flugbetrieb: Der Flughafen wurde in der Nacht komplett gesperrt. Nach rund zwei Stunden lief der Betrieb auf der Nordpiste wieder, die Südpiste blieb am 5. August den ganzen Tag gesperrt. Ein Passagierflug und 19 Frachtmaschinen wurden umgeleitet. Der Passagierverkehr war danach laut Landeskriminalamt nicht beeinträchtigt.[30][29]
- Zweites Flugobjekt: Eine Frachtmaschine musste wegen der Sperrung durchstarten. Laut Bundesanwaltschaft stieß sie in der Luft mit einem Gegenstand zusammen, „mutmaßlich einer weiteren Drohne“, und landete leicht beschädigt in Hannover.[31] Später berichteten Medien, dass Ermittler daran zweifeln, ob es wirklich eine Drohne war. (Medienbericht, nicht bestätigt)[32]
- Ermittlungen: Am 6. August übernahm die Bundesanwaltschaft. Sie spricht von einem „schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur“ und ermittelt wegen versuchter Sprengstoffexplosion und gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.[31] Laut Medienberichten fanden Ermittler später auf einem Feld in Kabelsketal (Saalekreis) Teile einer weiteren Drohne und mutmaßlich Sprengstoff. (Medienbericht)[33]
- Wer dahintersteckt: Am 1. September machte die Bundesregierung Russland verantwortlich. Grundlage seien „polizeiliche Ermittlungen, Tatmuster und nachrichtendienstliche Erkenntnisse“. Sie schloss unter anderem das russische Generalkonsulat in Bonn. Russland bestreitet eine Beteiligung.[34][35]
- Festnahmen: Laut Medienberichten haben die Ermittler zwei Tatverdächtige identifiziert. Der eine soll schon vor der Tat ausgereist sein, der mutmaßliche Organisator soll sich wieder in Russland aufhalten. Festnahmen sind uns nicht bekannt (Stand 9. Oktober 2026).[36][37]
Seitdem ist am Flughafen ein Drohnen-Erkennungssystem des Bundes im Einsatz. Am 27. August wurden zwei Maschinen vorsorglich umgeleitet, weil nahe dem Flughafen eine Drohne flog. Laut Polizei war es eine private Drohne, mit der Bauarbeiten an einem Haus gefilmt werden sollten. Eine Gefahr habe nicht bestanden. Laut Deutscher Flugsicherung stören private Drohnen in Flughafennähe immer wieder den Flugverkehr, in Leipzig bis Ende August 2026 sechsmal. (Überholt, siehe Nachtrag vom 26.10.2026 oben.)[38]
Wichtig für die Einordnung: Der Anschlag galt nach allem, was bekannt ist, ukrainischen Frachtflugzeugen am Flughafen, nicht der Covenant-Halle und nicht den umliegenden Orten.
Und ein militärischer Angriff?
Deutschland ist nicht im Krieg. Bundesinnenminister Dobrindt sagte im September: „Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung.“[39] Was in einem Krieg angegriffen würde, ist hypothetisch. Behörden äußern sich dazu nicht öffentlich, und auch wir spekulieren nicht darüber.
- Fachjournalist Thomas Wiegold im MDR: Viele Betriebe stünden „ohnehin“ auf gegnerischen Ziellisten. Die neue Fabrik mache „keinen so großen Unterschied“. In einem Kriegsfall, „der hoffentlich nicht kommt“, gehörten auch Logistikfirmen und Fahrzeughersteller dazu.[20]
- Leipzigs Oberbürgermeister sagte im Stadtrat, jede Großstadt mit Industrie, Flughafen und Infrastruktur sei „im Ernstfall ein Kriegsziel“, das sei Leipzig schon jetzt. Vollkommene Sicherheit gebe es nicht. Wichtig sei, handlungsfähig zu bleiben und die Versorgung schnell wiederherzustellen.[3]
- Bundeswehr: Im Bündnisfall wäre Deutschland die Drehscheibe der NATO für Truppen und Material. Den Operationsplan Deutschland bezeichnet sie als „Kriegsverhinderungsplan“. Heute sei Deutschland „vor allem Bedrohungen aus dem hybriden Spektrum“ ausgesetzt.[40]
- Flughafen: Leipzig/Halle ist seit 2006 Standort für militärische Großraum-Lufttransporte der NATO mit Antonow-Maschinen (SALIS), aber kein Militärflughafen. Das Verteidigungsministerium äußert sich aus Sicherheitsgründen nicht zu Transporten.[41]
Zur Halle selbst: Covenant hält den Standort geheim, laut MDR auch aus Sorge vor hybriden Anschlägen.[2] Rüstungsbetriebe müssen laut dem Fachjournalisten gegen Sabotage und Spionage gesichert und ihre Beschäftigten sicherheitsüberprüft werden.[20] Sprengstoff soll nach Angaben des Unternehmens nicht in Leipzig verarbeitet werden.[6] Eine öffentliche Stellungnahme von Polizei, Stadt oder Freistaat zur Sicherung der Halle haben wir nicht gefunden.
Was man selbst tun kann
- Warn-App NINA des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BBK) installieren. Sie warnt per Push-Nachricht für den eigenen Ort und enthält Notfalltipps.[42]
- BBK-Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ (Neuauflage Oktober 2025): Vorrat, Stromausfall, Desinformation erkennen, Schutz bei Explosionen und Umgang mit Ängsten, auch bei Kindern. Kostenlos als Heft, online und in NINA.[43][44]
- Auffälliges melden: Bei akuter Gefahr die 110 wählen, sonst die örtliche Polizei oder die Onlinewache der Polizei Sachsen. Ort, Uhrzeit und Beobachtung notieren.[45] Für Hinweise zum Flughafen-Fall hat das Landeskriminalamt das Hinweistelefon 0800 200 8000 und das Portal sn.hinweisportal.de eingerichtet.[46]
- Eigene Drohne: Flugverbotszonen beachten, etwa nahe Flughäfen, Industrieanlagen und Polizeieinsätzen.[47]
- Ruhe bewahren und Gerüchte prüfen: Verunsicherung ist nach Einschätzung des Verfassungsschutzes selbst ein Ziel solcher Aktionen.[18][21]
Was nur Gerücht oder nicht belegt ist
- „In Schkeuditz“: Nicht belegt. Alle Quellen nennen den Leipziger Norden, also Leipziger Stadtgebiet.
- „Wird neu gebaut“: Nicht belegt. Angemietet wurde eine bestehende Halle.
- „Raketen für die Raumfahrt“: Nicht belegt. Es geht um Marschflugkörper.
- „Dort wird Sprengstoff verarbeitet“: Das Unternehmen verneint das. Unabhängig überprüfen lässt es sich bisher nicht.
- „Die Bundeswehr hat bestellt“: Nicht bestätigt. Bekannt sind nur Gespräche.
- „Wegen der Halle ist unser Dorf jetzt ein Angriffsziel“: Dafür gibt es keine Quelle. Behörden äußern sich nicht zu möglichen Zielen. Die Einordnung steht oben.
Noch offen
Zu folgenden Punkten haben wir bisher keine gesicherten Angaben (Stand 9. Oktober 2026):
- ob für die Fertigung eine Genehmigung nötig ist, ob sie beantragt wurde und wie die Stadt Leipzig entscheidet (Zwischenstand: siehe Nachtrag vom 12.10.2026 oben)
- wo Startmotor und Gefechtskopf eingebaut werden und wie die Flugkörper transportiert werden
- ob die Bundeswehr „Anthem“ kauft und wer der erste europäische Kunde ist
- wie der Leipziger Stadtrat über den Antrag gegen Rüstungsansiedlungen entscheidet
- ob die Gemeinde Krostitz oder der Landkreis Nordsachsen informiert oder beteiligt wurden
- der genaue Standort und damit die genaue Entfernung zu Zschölkau
- ob für die Halle besondere Sicherheitsauflagen gelten und wer sie überwacht
- ob im Fall der Sprengstoffdrohne am Flughafen Anklage erhoben wird oder es Festnahmen gibt
- wie genau es zum beschädigten Zaun am Flughafen (17.10.2026) kam: Der mutmaßliche Fahrer spricht von einem Unfall, die Ermittlungen laufen (siehe Nachtrag vom 22.10.2026 oben)
Mehr zum Flughafen steht auf der Seite Flughafen & Fluglärm.
📚 Quellen zu diesem Beitrag – gesammelt auf unserer Quellen-Seite. Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL).